Softwareauswahl ist der strukturierte Prozess, mit dem eine Organisation aus dem Marktangebot die Lösung bestimmt, die ihre fachlichen Anforderungen am besten erfüllt. Sie entscheidet über Jahre an Betriebskosten und Arbeitsqualität.

Definition

Die Softwareauswahl führt von der Bedarfsklärung über die Marktrecherche und Bewertung bis zur begründeten Entscheidung. Sie ist keine reine Produktfrage, sondern eine Organisationsfrage: Welche Prozesse sollen künftig wie ablaufen, welche Anforderungen sind wirklich zwingend, und welche Abhängigkeiten entstehen mit dem Anbieter.

Der häufigste Fehler ist, mit einer Produktliste zu beginnen statt mit den eigenen Anforderungen. Wer zuerst Demos ansieht, übernimmt unbemerkt die Denklogik des Anbieters und bewertet am Ende Funktionen, die niemand gefordert hat.

Der typische Ablauf

1Bedarf und Ziele klärenFachliche Anforderungen und Rahmenbedingungen erheben2Marktüberblick erstellenLonglist möglicher Anbieter zusammenstellen3Kriterien gewichtenMuss-, Soll- und Kann-Kriterien mit Gewichtung festlegen4Shortlist und DemoAnbieter mit realen Szenarien vorführen lassen5Bewertung und EntscheidungNutzwertanalyse, Referenzen und Gesamtkosten abwägen
Fünf Schritte von der Bedarfsklärung bis zur begründeten Entscheidung.

Kriterien richtig gewichten

Bewährt hat sich die Einteilung in Muss-, Soll- und Kann-Kriterien. Muss-Kriterien sind Ausschlusskriterien, etwa gesetzliche Vorgaben, Barrierefreiheit oder ein Betrieb innerhalb der EU. Soll- und Kann-Kriterien werden gewichtet und in einer Nutzwertanalyse bewertet. Wichtig ist, die Gewichtung vor den Anbietergesprächen festzulegen, sonst passt sie sich unbewusst dem Favoriten an.

Kriterien, die häufig fehlen

  • Gesamtkosten: Nicht nur Lizenzen, sondern Einführung, Schnittstellen, Schulung, Betrieb und späterer Ausstieg.
  • Schnittstellen: Lässt sich die Lösung an bestehende Systeme anbinden, und wie offen sind die Formate.
  • Betreibbarkeit: Passt der Betrieb zur eigenen Mannschaft oder entsteht dauerhafte Abhängigkeit.
  • Datenschutz und Sicherheit: Speicherort, Auftragsverarbeitung, Rollen- und Rechtemodell.
  • Anbieterstabilität: Referenzen in vergleichbaren Organisationen, Roadmap, Supportqualität.
  • Ausstiegsfähigkeit: Wie kommen die Daten wieder heraus, wenn die Zusammenarbeit endet.

Demos richtig führen

Eine freie Produktvorführung zeigt die Stärken des Anbieters. Aussagekräftig wird sie erst, wenn alle Anbieter dieselben realen Szenarien mit eigenen Beispieldaten durchspielen müssen. Dann wird sichtbar, wo Standard endet und Anpassung beginnt. Die Fachbereiche sollten dabei bewerten, nicht nur zusehen.

Im öffentlichen Umfeld

Bei öffentlichen Auftraggebern mündet die Auswahl in ein Vergabeverfahren. Die erarbeiteten Kriterien werden zu Eignungs- und Zuschlagskriterien, die Anforderungen zur Leistungsbeschreibung. Produktneutralität ist dabei zwingend: Beschrieben werden Anforderungen, nicht Produkte.

Abgrenzung

Die Softwareauswahl endet mit der Entscheidung. Die Einführung mit Konzeption, Migration, Test und Schulung ist ein eigenes Projekt und wird regelmäßig unterschätzt.

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Mag. Salim ŠabićPrincipal Consultant, IT-Projektmanagement · SABIC IT-Beratung · Veröffentlicht 09.01.2026, zuletzt fachlich geprüft 22.07.2026